"Mensur! Fertig! Los!"

Das akademische Fechten, die Mensur. Es gibt wohl wenige Sportarten, über die sich so viele Legenden ranken wie um sie. Da wird von Pferdehaaren berichtet, die in Schmisse gelegt werden, um eine möglichst auffällige Narbe zurückzulassen. Da wird vom Fuxmajor erzählt, der sich mit verbundenen Augen mit einem scharfen Schläger einmal um die eigene Achse dreht und so den um ihn im Kreis stehenden Füxen ihre Schmisse zufügt. Muß man sich zu solchen Horrormärchen eigentlich noch weiter äußern? Wir glauben nicht. Die Gegner des studentischen Fechtens oder gar des ganzen Korporationswesen lassen sich so allerhand einfallen. Die Wahrheit ist, wer einmal gefochten hat, möchte diese einmalige Erfahrung nicht mehr aus seinem Leben streichen.

Was ist überhaupt eine Mensur? Der Begriff stammt von dem lateinischen „mensura“ und bedeutet „Abmessung“. Dies bedeutet, daß die Paukanten (Fechter) sich in einem festgelegten Abstand gegenüberstehen. Bei Mensuren handelt es sich zumeist um Bestimmungsmensuren, bei denen zwei gleichwertige Fechter (Technik, Geschwindigkeit, Härte) antreten. Grundsätzlich wird niemals gegen Bundesbrüder gefochten! Während der gesamten Partie überwacht ein Unparteiischer die Einhaltung der Regeln.

Warum fechten wir? Das akademische Fechten gehört zur studentischen Tradition. Es hat seine Ursprünge im Mittelalter, als Universitäten noch dünn gesät waren und die Studenten lange Strecken überbrücken und sich deshalb vor Wegelagerern schützen mußten. Aus diesem Grund gab man ihnen das Privileg, eine Waffe führen zu dürfen, was sonst nur Adeligen oder sonstigen Würdenträgern zustand. Aus dieser Begebenheit entwickelte sich auch die Ableitung „Akademischer Adel“. Im Laufe der Zeit entstand unter den Studenten ein Duellwesen, wie es bereits beim Militär und Adel gepflegt wurde. In der heutigen Zeit ist das Duell allerdings grundsätzlich verboten. Aus ihm heraus entwickelte sich die Mensur wie wir sie heute kennen, in der mit dem studentischen Korbschläger oder der sogenannten Glocke gefochten wird. Bei pennalen Verbindungen wird mit dem stumpfen Säbel gefochten. Im Laufe der Zeit erhielt die Mensur immer wieder neue strenge Regeln, so daß es heutzutage unmöglich ist, sich ernsthaft zu verletzen. Der Paukant ist durch Gitterbrille, Kettenhemd, Bandagen und viele andere Schutzvorrichtungen sehr gut geschützt.

Ein weiterer Aspekt ist die Schulung der Selbstbeherrschung. Man erlernt das akademische Fechten nicht innerhalb von zwei Wochen, sondern es erfordert konsequentes Training. Für den Außenstehenden mag es so aussehen, als würde nur wild aufeinander geprügelt. In Wahrheit aber handelt es sich um genau erlernte und präzise ausgeführte Hiebe. Nur die Geschwindigkeit, mit der sie geschlagen werden, läßt das Gegenteil vermuten. Um dies zu schaffen bedarf es eines gehörigen Maßes an Konzentration und Beherrschung.


Paukant in voller Schutzbekleidung

Aufopferung und Mut sind zwei weitere Begriffe, die die Mensur prägen. Man hält buchstäblich seinen Kopf hin. Einerseits natürlich für sich selbst, auf der anderen Seite steht man im Moment der scharfen Gänge für seine eigene Verbindung ein. Es geht während der Partie eben nicht nur um einen selbst, sondern man ist Teil eines Ganzen. Die Mensur schweißt zusammen wie es nur wenige andere Sportarten vermögen. Der Paukant ist an diesem Tag der wichtigste Mann in der Verbindung. Er wird nach Kräften von seinen Bundesbrüdern unterstützt, und jeder fiebert mit ihm mit. Der Paukant denkt nur an eines: Sauber fechten, kein Zurückweichen und in diesem Moment der Bewährung alles geben.

Gewinner und Verlierer gibt es bei einer Mensur nicht. Es zählt einzig und allein das technisch saubere Durchstehen der Partie. Deshalb bezeichnen sich auch die Angehörigen verschiedener schlagender Dachverbände untereinander als Waffenbrüder. Sie hat also nicht nur innerhalb der eigenen Korporation eine verbindende Wirkung, sondern auch darüber hinaus. Oftmals entstehen zwischen den Paukanten sogar lebenslange Freundschaften.

Die Burschenschaft Hannovera schlägt fakultativ. Das bedeutet, daß bei uns jeder das akademische Fechten erlernt, aber selbst entscheidet, ob er sich tatsächlich auf Mensur stellen will. Allerdings sind es nur wenige, die darauf verzichten wollen, nachdem sie einmal eine Partie miterlebt haben.